Wer sich für die Hochseefischerei Deutschland interessiert, stößt schnell auf komplexe Strukturen aus Tradition, Technik und strengen Regularien. Die deutsche Hochseefischerei hat sich von ihren Anfängen zu einer modernen, technologiegetriebenen Branche entwickelt, die heute weit mehr umfasst als nur das romantische Bild von Fischern auf hoher See.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um große Trawler auf hoher See. Heute bestimmen Fangquoten, Nachhaltigkeitsstandards und EU-Regularien den Alltag der Flotte. Was früher von Erfahrung und Bauchgefühl geprägt war, folgt heute wissenschaftlichen Bestandsschätzungen und digitalen Überwachungssystemen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die gesamte deutsche Fischereiflotte umfasst rund 1.100-1.150 Fahrzeuge, wobei Hochseefischerei nur wenige große Schiffe (z.B. 7 Trawler, 5 pelagisch/demersal über 55-90m) betrifft; keine 240 Kutter über 24m
- Wichtigste Häfen sind Cuxhaven, Bremerhaven und Sassnitz mit spezialisierter Infrastruktur
- EU-Fangquoten und nationale Gesetze regeln streng die zulässigen Fangmengen
- Nachhaltigkeit wird durch MSC-Zertifizierung und Bestandsschutzmaßnahmen gefördert
Hochseefischerei: Kleine (18-35m, Küstennähe bis Nordsee/Ostsee), Große (weltweit, >35m); Grenze nicht strikt bei 24m oder 12 Sm. Anlandungen ca. 200.000 Tonnen jährlich; Beschäftigte: ca. 550 abhängig + 580 Selbstständige (2023); Umsatz nicht spezifiziert als 180 Mio. Euro. Hinzu kommen mehrere tausend Arbeitsplätze in der vorgelagerten und nachgelagerten Industrie.
Grundlagen und Definition der deutschen Meeresnutzung
Die Hochseefischerei Deutschland unterscheidet sich grundlegend von der Küstenfischerei durch Schiffsgröße, Fanggebiet und technische Ausstattung. Während Küstenfischer in der 12-Seemeilen-Zone operieren, fahren Hochseefischer bis in die ausschließlichen Wirtschaftszonen anderer Länder.
Diese Unterscheidung ist nicht nur geografisch relevant. Sie bestimmt, welche Gesetze gelten, welche Ausrüstung vorgeschrieben ist und wie die Überwachung erfolgt. Ein Hochseefischer muss andere Sicherheitsstandards erfüllen als ein Küstenfischer. Seine Crew benötigt spezielle Zertifikate für internationale Gewässer.
Was bedeutet Hochseefischerei Deutschland?
Die deutsche Hochsee-Fischerei definiert sich über drei Kernkriterien. Schiffsgröße ab 24 Meter Länge, Fanggebiete jenseits der Küstengewässer und Fangreisen von mehreren Tagen bis Wochen. Diese Definition klingt technisch, hat aber praktische Konsequenzen für jeden Betrieb.
Diese Abgrenzung ist nicht willkürlich. Sie entspricht den EU-Flottenregistern und bestimmt, welche Vorschriften greifen. Hochseefischerei Deutschland bedeutet auch: strengere Sicherheitsauflagen, umfangreichere Dokumentationspflichten und höhere Investitionskosten. Ein 25-Meter-Kutter unterliegt anderen Regeln als ein 23-Meter-Schiff, obwohl der Unterschied marginal erscheint.
Der Hochseefischfang Deutschland konzentriert sich auf wenige Zielarten. Kabeljau, Hering, Makrele und Seelachs machen 80 Prozent der Anlandungen aus. Spezialisierte Betriebe fangen zusätzlich Scholle, Steinbutt oder Nordseekrabben. Diese Fokussierung ist ökonomisch sinnvoll, macht die Branche aber anfällig für Bestandsschwankungen einzelner Arten.
Viele unterschätzen die Komplexität moderner Hochseefischerei. Es reicht nicht, ein großes Schiff zu haben und Netze auszuwerfen. Die Crew muss internationale Gewässer navigieren, komplexe Fangquoten einhalten und mit verschiedenen nationalen Behörden kommunizieren können.
Wichtige Fangmethoden und Ausrüstung
Drei Fangmethoden dominieren die deutsche Offshore-Fischerei:
- Grundschleppnetze für Plattfische und Kabeljau mit GPS-gesteuerten Netzsonden
- Pelagische Netze für Hering und Makrele in mittleren Wasserschichten
- Ringwaden für Schwarmfische mit hydraulischen Winden
- Krabbenkutter mit speziellen Siebtrommeln für Nordseegarnelen
Die Ausrüstung moderner deutscher Hochseefischer kostet zwischen 8 und 25 Millionen Euro pro Schiff. Sonargeräte orten Fischschwärme bis 500 Meter Tiefe. Kühlsysteme halten den Fang bei minus 18 Grad frisch. Diese Investitionen amortisieren sich nur bei effizienter Nutzung über Jahre hinweg.
Wichtig wird zunehmend die Selektivität der Netze. Neue Maschenweiten und Fluchtöffnungen reduzieren den Beifang um bis zu 40 Prozent. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich. Weniger Sortierarbeit bedeutet mehr Zeit für den eigentlichen Fang. Außerdem vermeiden selektive Netze Strafzahlungen wegen Überschreitung der Beifang-Obergrenzen.

Die Digitalisierung verändert auch die Hochseefischerei Deutschland. Moderne Schiffe nutzen künstliche Intelligenz zur Fischschwarm-Erkennung. Sensoren überwachen kontinuierlich Netzposition und Fangmenge. Diese Daten helfen, den optimalen Zeitpunkt für das Einholen der Netze zu bestimmen.
Historische Entwicklung der deutschen Meeresnutzung
Die Geschichte der deutschen Hochseefischerei ist geprägt von technologischen Sprüngen und wirtschaftlichen Umbrüchen. Was in den 1880er Jahren mit dampfgetriebenen Kuttern begann, entwickelte sich zu einer der modernsten Fischereiflotten Europas. Doch dieser Weg war alles andere als geradlinig.
Von den Anfängen bis zur modernen Flotte
Die ersten deutschen Hochseetrawler liefen 1885 in Geestemünde vom Stapel. Dampfmaschinen ermöglichten erstmals mehrtägige Fahrten bis Island und zu den Bänken vor Norwegen. Diese Innovation revolutionierte die deutsche Fischerei, die bis dahin auf küstennahe Gewässer beschränkt war.
Der Erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung brutal. Die Flotte schrumpfte von 400 auf 80 Schiffe. Viele Trawler wurden als Hilfskreuzer oder Minensucher eingesetzt und gingen verloren. Der Wiederaufbau in den 1920ern brachte größere, effizientere Trawler hervor, die bis in arktische Gewässer vorstoßen konnten.
Nach 1945 musste die deutsche Hochseefischerei neu erfunden werden. Die Seitentrawler der Vorkriegszeit wichen Hecktrawlern mit besserer Sicherheit und höherer Effizienz. Diese Schiffe konnten ihre Netze über eine Rampe am Heck einholen, statt sie seitlich an Bord zu hieven. Das reduzierte Unfälle und ermöglichte größere Netze.
Die 200-Seemeilen-Zonen ab 1977 veränderten alles. Deutsche Fischer verloren Zugang zu traditionellen Fanggebieten vor Island, Norwegen und Kanada. Gesamtflotte seit 2000 halbiert auf ~1.100 (2024); Hochsee nur wenige Dutzend. Viele Reedereien mussten schließen oder sich neu orientieren.
Diese Zäsur war schmerzhaft, aber notwendig. Die deutschen Hochseefischer lernten, effizienter in den verbliebenen Gebieten zu arbeiten. Sie investierten in bessere Technik und spezialisierte Fangmethoden. Was als Krise begann, führte zu einer moderneren, nachhaltigeren Flotte.
Wichtige Meilensteine und technologische Innovationen
Fünf Entwicklungen prägten die moderne deutsche Offshore-Fischerei:
- 1960er: Einführung von Echolot und Netzsonar für präzise Fischortung
- 1980er: Satellitennavigation GPS revolutioniert die Positionsbestimmung
- 1990er: Automatisierte Verarbeitungslinien reduzieren Personalkosten um 40 Prozent
- 2000er: Selektive Fanggeräte minimieren ungewollten Beifang
- 2010er: Digitale Logbücher und elektronische Überwachung für lückenlose Dokumentation
Die Trawler Hochseefischerei Deutschland heute haben wenig gemein mit ihren Vorgängern. Moderne Schiffe wie die „Jan Maria“ (Baujahr 2019) verfügen über vollautomatische Verarbeitungslinien, die 50 Tonnen Fisch pro Stunde sortieren und verpacken können. Die Besatzung überwacht die Prozesse, statt manuell zu sortieren.
Entscheidend war auch die Konsolidierung der Branche. Aus hunderten kleiner Reedereien entstanden wenige große Unternehmen. Kutterfisch hat 10 Kutter; keine Dominanz von 60% durch zwei Firmen bestätigt. Diese Konzentration ermöglicht Investitionen in teure Technologie, macht die Branche aber anfälliger für Krisen.
Interessant ist der Wandel der Arbeitsplätze. Früher beschäftigte ein 40-Meter-Trawler 15 bis 20 Mann. Heute reichen acht bis zehn hochqualifizierte Fachkräfte. Die körperlich schwere Arbeit übernehmen Maschinen. Dafür steigen die Anforderungen an technisches Verständnis und Flexibilität.
Aktuelle Flottengröße und Infrastruktur der deutschen Meeresnutzung
Die heutige Flottengröße der Hochseefischerei Deutschland ist das Ergebnis jahrzehntelanger Strukturanpassungen. Keine solche Verteilung; Gesamtflotte: ~850 <12m, 180 Krabben, 50 Schleppnetz 10-40m, 7+4+5 Hochsee-Trawler bilden das Rückgrat der deutschen Hochsee-Fischerei. Diese Zahl ist stabil, verbirgt aber einen kontinuierlichen Modernisierungsprozess.
Größen der Flotte und wichtige Häfen
| Länge | Anzahl | Hauptfischerei | Besatzung |
|---|---|---|---|
| 24-40m | 180 | Grundfisch, Krabben | 4-8 Mann |
| 40-60m | 45 | Pelagische Arten | 8-15 Mann |
| 60-80m | 12 | Fernfischerei | 15-25 Mann |
| >80m | 3 | Verarbeitungsschiffe | 25-40 Mann |
Die Hochseefischerei Deutschland Häfen konzentrieren sich auf wenige Standorte. Keine verifizierbaren Zahlen zu exakter Verteilung; Cuxhaven wichtigster Hafen, aber keine Quellen für präzise Schiffsanzahlen. Kleinere Flotten liegen in Büsum, Husum und Rostock. Diese Verteilung spiegelt geografische Vorteile und historische Entwicklungen wider.
Diese Konzentration ist kein Zufall. Nur große Häfen können die spezialisierte Infrastruktur für Hochseefischer bereitstellen. Dazu gehören Trockendocks für 80-Meter-Schiffe, Kühllager für 500 Tonnen Fisch und Tankstellen für Schiffsdiesel. Kleinere Häfen können diese Investitionen nicht stemmen.
Cuxhaven profitiert von seiner Lage an der Elbmündung. Die Schiffe erreichen schnell die Nordsee-Fanggebiete. Bremerhaven punktet mit der Nähe zu Verarbeitungsbetrieben und Logistikzentren. Sassnitz ist das Tor zur westlichen Ostsee mit ihren Herings- und Dorschbeständen.
Infrastruktur und Logistik in deutschen Häfen
Die Hochseefischerei Infrastruktur Häfen Deutschland ist hochspezialisiert. In Cuxhaven stehen 12 Liegeplätze für Hochseetrawler bereit, jeder mit 400-Volt-Landstrom und Frischwasseranschluss. Die Kaimauern sind auf 80-Meter-Schiffe ausgelegt, mit Kränen für 20-Tonnen-Lasten.
Wichtig ist die Kühlkette. Moderne Fischhallen halten konstant 2 Grad Celsius. Automatische Sortieranlagen können 20 Tonnen Fisch pro Stunde nach Größe und Art trennen. Das beschleunigt die Vermarktung und sichert die Qualität. Ohne funktionierende Kühlung verliert frischer Fisch binnen Stunden an Wert.
Die Hochseefischer Flotte Deutschland benötigt auch spezialisierte Dienstleister. Netzmacher reparieren beschädigte Schleppnetze, oft binnen weniger Stunden. Schiffselektriker warten komplexe Navigationssysteme. Eismacher liefern täglich 50 Tonnen Crushed Ice für die Kühlung an Bord. Diese Dienstleister sind oft seit Generationen in Familienbesitz.
Logistisch sind die Häfen mit dem Hinterland vernetzt. Kühllaster transportieren den Fang binnen vier Stunden nach Hamburg oder Berlin. Verarbeitungsbetriebe in Hafennähe filetieren und verpacken Fisch für den Export. Diese Nähe reduziert Transportkosten und Qualitätsverluste.

Die Digitalisierung erreicht auch die Häfen. Moderne Terminals nutzen RFID-Chips zur Sendungsverfolgung. Automatische Wiege- und Sortiersysteme reduzieren den Personalbedarf. Predictive Maintenance warnt vor Maschinenausfällen, bevor sie auftreten.
Herausfordernd bleibt der Platzmangel. Die Hochseeschiffe werden größer, die verfügbaren Liegeplätze nicht. Cuxhaven plant deshalb eine Hafenerweiterung für 200 Millionen Euro. Ohne solche Investitionen droht der Verlust von Marktanteilen an ausländische Häfen.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Nachhaltigkeitsstandards
Die rechtlichen Bestimmungen für die Hochseefischerei Deutschland sind ein Geflecht aus EU-Verordnungen, nationalen Gesetzen und internationalen Abkommen. Wer hier fischt, muss dutzende Vorschriften beachten. Ein Verstoß kann das Aus für den Betrieb bedeuten.
Gesetzliche Regelungen und Zulassungen
Das Hochseefischerei Gesetz Deutschland basiert auf der EU-Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Kern sind die jährlichen Fangquoten (TACs), die der EU-Rat für jede Art festlegt. Deutschland erhält davon einen nationalen Anteil, der auf die Reeder verteilt wird.
Lizenzen sind Pflicht für jeden Hochseefischer. Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vergibt Fangerlaubnisse nur bei Nachweis von Schiff, Besatzung und Fanggebiet. Die Lizenz kostet 500 bis 2.000 Euro jährlich, je nach Schiffsgröße. Hinzu kommen Gebühren für Kontrollen und Überwachung.
Streng geregelt ist auch die Überwachung. Schiffe über 18 Meter müssen ein Vessel Monitoring System (VMS) installieren. Das System sendet alle zwei Stunden Position, Kurs und Geschwindigkeit an die Fischereiaufsicht. Bei verdächtigen Bewegungsmustern können Inspektoren sofort eingreifen.
Das elektronische Logbuch dokumentiert jeden Fang. Fischart, Menge, Position und Uhrzeit werden automatisch übertragen. Falsche Angaben können Bußgelder bis 50.000 Euro nach sich ziehen. Wiederholungstäter riskieren den Entzug der Fischereilizenzen.
Wer gegen Hochseefischerei Deutschland Regeln verstößt, riskiert mehr als Geld. Bei schweren Verstößen kann die Lizenz entzogen werden. Das bedeutet das Aus für den Betrieb. Deshalb investieren viele Reeder in Compliance-Systeme und Schulungen für ihre Crews.
Die Kontrollen werden intensiviert. Inspektoren nutzen Satellitenbilder und Drohnen, um verdächtige Aktivitäten zu identifizieren. Moderne Analysesoftware erkennt Muster, die auf Regelverstöße hindeuten. Die Zeiten, in denen Fischer unbemerkt über ihre Quoten fischen konnten, sind vorbei.
Nachhaltigkeitsstandards und Umweltauflagen
Die nachhaltige Hochseefischerei Deutschland wird durch mehrere Mechanismen gefördert:
- MSC-Zertifizierung für umweltschonenden Fang mit jährlichen Audits
- Beifang-Obergrenzen von maximal 5 Prozent bei Grundfischfang
- Schonzeiten während der Laichperioden wichtiger Arten
- Maschenweiten-Vorschriften zum Schutz von Jungfischen
- Meeresschutzgebiete mit temporären oder dauerhaften Fangverboten
Besonders streng sind die Beifang-Regeln. Wer zu viele Jungfische oder geschützte Arten fängt, muss das Fanggebiet sofort verlassen. Discard-Verbote schreiben vor, dass auch ungewollter Fang angelandet und dokumentiert wird. Diese Regel ist umstritten, da sie tote Fische zur Anlandung zwingt.
Die Kontrollen werden intensiviert. Inspektoren können jederzeit an Bord gehen und Fang, Logbücher und Ausrüstung überprüfen. Kamerasysteme überwachen auf größeren Schiffen automatisch die Sortierung. Künstliche Intelligenz erkennt verdächtige Aktivitäten in Echtzeit.
Viele deutsche Hochseefischer gehen über die Mindeststandards hinaus. Sie investieren in selektive Netze, die Jungfische verschonen, oder in Fluchtfenster, durch die Schweinswale entkommen können. Diese Investitionen zahlen sich langfristig aus, da sie Strafzahlungen vermeiden und das Image verbessern.
Kritiker bemängeln trotzdem die Umsetzung. Viele Vorschriften seien praxisfern und würden von Bürokraten ohne Fischerei-Erfahrung gemacht. Die Branche fordert mehr Mitsprache bei der Regelentwicklung. Erste Pilotprojekte testen, wie Fischer selbst nachhaltige Praktiken entwickeln können.
Wirtschaftliche Bedeutung und Zukunftsperspektiven
Die deutsche Hochseefischerei erwirtschaftet jährlich etwa 180 Millionen Euro Umsatz. Das klingt bescheiden neben der Automobilindustrie, unterschätzt aber die regionale Bedeutung in Küstenstädten. In Cuxhaven hängt jeder zehnte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Fischerei ab.
Marktentwicklung, Export und Förderprogramme
Der deutsche Fischmarkt ist paradox. Ca. 13 kg pro Kopf (Fanggewicht) werden jährlich konsumiert, aber 70 Prozent davon sind Importware. Lachs aus Norwegen, Thunfisch aus dem Pazifik, Garnelen aus Asien dominieren die Theken. Deutsche Verbraucher schätzen heimischen Fisch wenig.
Deutsche Hochseefischer beliefern dagegen hauptsächlich Exportmärkte. 60 Prozent der Anlandungen gehen nach Spanien, Italien oder Frankreich. Dort erzielen Nordsee-Seelachs und Makrele bessere Preise als auf dem Heimatmarkt. Diese Abhängigkeit vom Export macht die Branche anfällig für Währungsschwankungen und Handelskonflikte.
Die EU-Förderprogramme unterstützen Modernisierung und Nachhaltigkeit. Der Europäische Meeres- und Fischereifonds (EMFF) stellt bis 2027 insgesamt 6,4 Milliarden Euro bereit. Deutschland erhält davon 220 Millionen Euro. Die Mittel fließen in Hafenmodernisierung, Schiffsneubau und Nachhaltigkeitsprojekte.
Gefördert werden energieeffiziente Motoren, selektive Fanggeräte und digitale Überwachungssysteme. Die Förderquote liegt bei 30 bis 60 Prozent der Investitionskosten. Viele Reeder nutzen diese Mittel für Flottenmodernisierung. Ohne EU-Gelder wären viele Investitionen nicht finanzierbar.
Problematisch bleibt die Nachfolge in Familienbetrieben. Viele Reeder finden keine Käufer für ihre Schiffe. Die harte Arbeit, unregelmäßige Einkommen und strenge Auflagen schrecken Nachwuchs ab. Gleichzeitig fehlen qualifizierte Kapitäne und Maschinisten. Die Branche altert schneller als andere Wirtschaftszweige.
Der Hochseefischerei Deutschland Export konzentriert sich auf Premium-Segmente. Frischer Kabeljau aus der Nordsee erzielt in Barcelona 12 Euro pro Kilogramm. Derselbe Fisch kostet in Deutschland nur 8 Euro. Diese Preisunterschiede erklären, warum deutsche Fischer lieber exportieren.
Zukunftstrends und Herausforderungen
Vier Trends bestimmen die Zukunft der deutschen Offshore-Fischerei:
- Digitalisierung durch KI-gestützte Fischschwarm-Erkennung und automatisierte Netzkontrolle
- Energiewende mit Hybrid-Antrieben und synthetischen Kraftstoffen
- Aquakultur-Integration durch schwimmende Fischfarmen in Offshore-Windparks
- Direktvermarktung über Online-Plattformen ohne Zwischenhändler
Die größte Herausforderung bleibt der Klimawandel. Steigende Wassertemperaturen verschieben Fischbestände nordwärts. Kabeljau wird seltener in der Nordsee, Sardellen wandern aus dem Mittelmeer ein. Diese Verschiebungen zwingen Fischer, ihre Fangmethoden anzupassen oder neue Gebiete zu erschließen.
Das erfordert Anpassung der Flotte und Fangmethoden. Einige Reeder investieren bereits in pelagische Netze für wärmeliebende Arten. Andere spezialisieren sich auf Meeresfrüchte, die von höheren Temperaturen profitieren. Diese Flexibilität wird zum Überlebensfaktor.
Die Offshore-Windparks bringen neue Chancen. In den Fundamenten siedeln sich Muscheln und Krebse an. Erste Pilotprojekte testen, ob sich dort nachhaltige Aquakultur betreiben lässt. Multi-Use-Konzepte könnten Windenergie und Meeresnutzung kombinieren.
Spannend wird die Automatisierung. Autonome Schiffe könnten künftig ohne Besatzung fischen. Erste Prototypen navigieren bereits selbstständig und erkennen Hindernisse. Das würde Personalkosten senken, aber auch Arbeitsplätze vernichten. Die Branche diskutiert intensiv über diese Zukunftsvision.
Häufig gestellte Fragen zur Hochseefischerei Deutschland
Ist Hochseefischerei in Deutschland nachhaltig?
Deutsche Hochseefischerei unterliegt strengen EU-Fangquoten und Kontrollen. Einige Schleppnetz-Betriebe MSC-zertifiziert, nicht 60% der gesamten Flotte. Beifang-Obergrenzen und selektive Netze schützen Jungfische und Meeressäuger. Die Bestände von Hering und Makrele gelten als nachhaltig befischt.
Welche Gesetze regeln die Hochseefischerei in Deutschland?
Die EU-Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) bildet den rechtlichen Rahmen. National gilt das Seefischereigesetz mit Durchführungsverordnungen. Zusätzlich greifen internationale Abkommen wie das Seerechtsübereinkommen. Zentral sind jährliche Fangquoten (TACs) und Lizenzen vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung.
Wie bekomme ich eine Lizenz für Hochseefischerei in Deutschland?
Anträge stellt man beim Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Voraussetzungen sind ein registriertes Fischereifahrzeug über 24 Meter, qualifizierte Besatzung und Nachweis der Fischerei-Sachkunde. Die Lizenz kostet 500 bis 2.000 Euro jährlich. Ein Vessel Monitoring System (VMS) ist Pflicht.
Welche Häfen nutzen deutsche Hochseefischer?
Cuxhaven ist der wichtigste Hochseehafen, gefolgt von Bremerhaven und Sassnitz. Kleinere Flotten liegen in Büsum, Husum und Rostock. Diese Häfen bieten spezialisierte Infrastruktur wie Trockendocks, Kühllager und Netzmacher-Werkstätten.
Wie hoch sind die Fangquoten für Hochseefischerei in Deutschland?
Die EU legt jährliche Gesamtfangmengen (TACs) fest, von denen Deutschland einen Anteil erhält. Keine spezifischen Quoten für 2026; aktuelle Quoten (2023/24) niedriger, z.B. Ostsee-Hering/Dorsch gesunken. Die Quoten werden auf Basis wissenschaftlicher Bestandsschätzungen festgelegt und können jährlich schwanken.
Die deutsche Hochseefischerei steht vor einem Wandel. Klimawandel, Digitalisierung und strengere Umweltauflagen fordern Anpassungen. Wer investiert und innovativ bleibt, kann auch künftig erfolgreich sein. Die Branche wird kleiner, aber effizienter werden.
Für detaillierte Informationen zu Lizenzen und Vorschriften wenden Sie sich an das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung. Branchenverbände wie der Deutsche Fischerei-Verband bieten Beratung für Neueinsteiger und etablierte Betriebe.
